Claudia

Heldinnen der Nacht: Die Barfrau

von Claudia am

Heide (25), Sina (22) und Becca (22) arbeiten in einer Bar in Leipzig. Wie ist das so, mit dem Verkauf von Alkohol sein Geld zu verdienen und wie geht man mit betrunkenen Gästen um? Ich hab die drei jungen Frauen an ihrem Arbeitsplatz zu einem Interview getroffen.

Habt ihr das Gefühl, unter Alkoholeinfluss lassen manchmal die Manieren nach?

Sina: Ich arbeite auch auf einem Festival, da merke ich die Wirkung von Alkohol  deutlich. Am Anfang bestellen sie noch ganz höflich „ein Bier bitte“, dann kommt nur noch „Bier!“ und am Ende halten sie einfach ihren Becher hin. Umso mehr Alkohol intus, umso mehr wirst du angebaggert. Wenn’s mir mal wirklich zu viel wird, dann bediene ich zu Ende und geh dann kurz in den Backstage-Bereich, um mich abzukühlen. Auf Festivals gibt es aber auch eine extra Absperrung, weil es schon vorkam, dass sie Mädels über die Bar drüber gezogen haben. Deswegen sind die Schichten aber immer auch gemischt, sodass noch ein Kollege am Zapfhahn steht. Sicherheitshalber halte ich mich immer am Tresen fest, wenn ich mich über die Absperrung beugen muss. Die meisten haben nur perverse Sprüche drauf, sonst passiert nichts. Am besten ist es, cool zu bleiben. Dann verlieren sie das Interesse.

Heide: Bei uns in der Bar versuche ich auch immer gemischte Schichten einzurichten. Und dass es wirklich mal ernst wird, dass jemand betrunken aggressiv wird, das kommt relativ selten vor. Gerade wenn jemand laut wird, kommt oft sowieso Unterstützung von anderen, die gleich nachfragen: „Was ist denn los, kann ich helfen?“ Aber nicht nur Männer werden auf Alkohol aggressiv, sondern auch Frauen.

Bekka: Ich finde sogar, Frauen noch eher.

Wann trefft ihr die Entscheidung, jemandem an diesem Abend keinen Alkohol mehr zu verkaufen?

Heide: Wenn jemand aggressiv wird und du merkst, das bringt nichts mehr, dann schenken wir auch nicht mehr aus.

Sina: Das kommt drauf an, wie derjenige dir begegnet. Oft machen die Leute ja erst Stress, wenn du ihnen den Alkohol verweigerst.  Wir lassen  uns aber auch nicht alles gefallen. Wenn mir jemand blöd kommt, dann muss ich dem auch nichts verkaufen. Meistens frag ich erstmal freundlich nach: „Bist du sicher, dass es noch ein Bier sein muss? Wir machen eh gleich zu.“

Bekka: Aber hier in die Bar kommt man erst ab 18 rein, insofern hast du da wenig Handhabe, den Leuten ihr Bier zu verbieten.

Musstet ihr schon mal den Krankenwagen rufen?

Sina: Wegen einer Alkoholvergiftung? Nein.

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