Claudia

Kulturgeschichte des Alkohols

von Claudia am

Ob Alkohol erst seit 8000 oder schon seit 10.000 Jahren von den Menschen konsumiert wird, darüber streiten sich die Wissenschaftler. Fest steht: Die Menschen sind ziemlich früh auf den Geschmack gekommen.

In Mesopotamien entstanden vor einigen tausend Jahren erste Anleitungen zum Bierbrauen, die wohl auch ihren Weg nach Ägypten fanden. Die alten Griechen und Römer bevorzugten dagegen Wein und widmeten ihm eine eigene Gottheit: Dionysos bzw. Bacchus. Den Christen ist Wein als Blut Christi bekannt. In anderen Religionen wie dem Islam oder dem Buddhismus ist Alkoholkonsum zumindest unerwünscht, zum Teil verboten.

Wie Alkohol entsteht, hat den Menschen wahrscheinlich schon immer fasziniert: Aus Saft wird Most, aus Honigwasser wird Met, aus Getreide-Wasser-Mischungen Bier und aus Traubensaft wird Wein. Nur wusste man damals noch nicht, welcher Prozess dahinter steckt: die alkoholische Gärung. Ganz einfach gesagt, bauen dabei Hefebakterien Stärke erst zu Zucker und dann zu Alkohol und CO2 ab. Jedoch funktioniert diese Methode nur bis etwa 15 Prozent Alkoholgehalt, dann sterben die Hefepilze. Soll ein hochprozentigeres Produkt gewonnen werden, muss ein anderes Verfahren angewandt werden: die Destillation.

Während des Mittelalters war Bier ein Grundnahrungsmittel, das oft auch Kindern serviert wurde. Über Alkoholismus machte man sich damals nur wenig Gedanken, solange die Trunkenheit nicht überhandnahm. Doch im 16 Jahrhundert schrieb der Schweizer Arzt Paracelsus sehr treffend: „Jedes Ding ist Gift, und kein Ding ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, ob ein Ding Gift ist.“

Kaffee und Tee verdrängten schließlich das Bier. Gleichzeitig entwickelte sich, im Zuge der Industrialisierung, das Bewusstsein für Alkoholsucht als Problem der modernen Gesellschaft. Dennoch gab es auch Völker, die keinen Alkohol kannten und erst durch die Kolonisation damit in Berührung kamen. Viele gingen an daran elendig zugrunde. Noch heute ist Alkoholismus bei vielen Indianern Nordamerikas ein großes Problem.

1920 begann in den USA die Prohibition. Dreizehn Jahre lang war es verboten, Alkohol zu produzieren oder zu verkaufen. Es passierte, was passieren musste: illegaler Verkauf und Konsum blühten auf. Erst 1929, infolge der ersten Weltwirtschaftskrise, verlangte die Gesellschaft immer offener nach Alkohol.

Seitdem ist das Angebot an Bier, Wein und Spirituosen ins Unermessliche gewachsen. Millionen Menschen verdienen durch die Herstellung und den Verkauf dieses Genussmittels ihren Lebensunterhalt. Alkohol ist aber eben nicht harmlos, sondern ein Gift. Alkoholsucht wurde erst 1968 vom Bundessozialgericht als Krankheit anerkannt. Seitdem haben Suchtkranke Anspruch auf medizinische Behandlung – und die schlägt jährlich mit etwa 20 Milliarden Euro zu Buche.

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