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„Warum vertrage ich keinen Alkohol, Herr Professor?“

von Lien am| 1 Kommentar

Dass ich keinen Alkohol vertrage – das ist mir klar. Das rote Gesicht, Herzrasen und die heißen Ohren habe ich schon in meinem ersten Blog erwähnt. Aber warum – das weiß ich selbst nicht so genau. Schließlich kenne ich auch Asiaten, die sehr wohl mehrere Longdrinks trinken können, ohne gleich wie eine reife Tomate auszusehen. Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, habe ich einen Fachmann in dem Gebiet befragt.

Prof. Dr. Manfred Singer ist Facharzt für Innere Medizin und Gründer der Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung. Im Interview erzählt er mir, was mit meinem Körper beim Trinken passiert und warum ich zu den 50 Prozent der Asiaten gehöre, die keinen Alkohol vertragen.

Es heißt Asiaten fehlt das Enzym zum Alkoholabbau. Wie kommt so ein Phänomen zustande?

Zum Verständnis müssen wir erst einmal die Enzyme unterscheiden. Es gibt die Alkoholadehydrogenase (ADH) und die Acetaldehyddeyhdrogenase (ALDH). Die Menschen besitzen verschiedene Isoenzyme, einmal von der ADH und einmal von der ALDH. Das sind genetische Polymorphismen, also genetische Veränderungen. Bei der ADH, hat man herausgefunden, dass bei über 80 Prozent unserer Bevölkerung, das Enzym aus zwei sogenannten Beta-Untereinheiten besteht. Es gibt Beta 1 und Beta 2. Je nachdem, ob man Beta 1 Beta 1 oder Beta 2 Beta 2 hat, wird so der Alkoholabbau verändert – mal ist er schneller und mal langsamer.

Bei den Asiaten ist der Fall, dass es Veränderungen bei der ALDH gibt. Diese hat vier Untereinheiten, die wird in zwei Klassen eingeteilt. Wenn man zwei bestimmte Veränderungen in der ALDH2 hat, ist man homocygot. Das bedeutet, man kann den Alkohol nicht weiter als auf Ebene der Acetaldehyd (Essigsäure) abbauen. Man kriegt also einen hohen Acetaldehydgehalt in der Zelle, wenn man Alkohol trinkt, und der ist verantwortlich für die starken Veränderungen, die die Menschen bemerken. Das heißt sie vertragen absolut keinen Alkohol. Davon sind etwa 10% der asiatischen Bevölkerung betroffen. 40% der Asiaten sind heterocygot, das heißt sie haben die Veränderung nur auf einem Chromosom. Bei ihnen läuft der Alkoholabbau sehr langsam ab. Während 50% den Alkohol ganz normal vertragen. Faktisch sind also die Asiaten vor Alkoholismus geschützt, da sie beim Genuss von Alkohol so starke Symptome bekommen, dass sie den Alkohol gar nicht mehr anrühren wollen.

Wenn ich das also richtig verstanden habe, hat mein Körper ein gestörtes Verhältnis zum Alkohol. Außerdem kann ich niemals Alkoholiker werden. Klingt eigentlich gut! Und wenn mich in Zukunft jemand fragt, warum ich nichts trinke, kann ich der Person einfach an den Kopf werfen, dass ich heterocygot bin und dass ich eine Mutation auf einem Chromosom habe. Das schreckt hoffentlich vor weiteren Fragen ab.

Im nächsten Teil erfahrt ihr, wie ihr euren Promillegehalt berechnen könnt und was mit eurem Körper beim Alkoholtrinken passiert.

Ein Kommentar zu: ““„Warum vertrage ich keinen Alkohol, Herr Professor?“”

  1. Avatar

    daniel

    Ich bin 28 und vertrage auch kein Alkohol. Ein Bier oder ein Glas Wein/Sekt reicht schon, um in meinem Körper das Gefühl eines Kampfes gegen Giftstoffe auszulösen. Vergleichbar mit dem, was man hat, wenn man etwas Verdorbenes isst. Es ist zum Kotzen, nicht mal ein Bierchen beim Grillen trinken zu können. Mir gehts ja garnicht ums Besaufen o.ä. sondern ums Prinzip und darum, keine Wahl zu haben. Ich würde ja den Vergleich mit Laktose-Intolleranz heran ziehen, aber dagegen kann man ja was machen, dass man morgens seine Cornflakes mit Milch essen kann und kein Wasser nehmen muss. Dadurch niemals zum Alkoholiker werden zu können, ist wenig Trost. Immerhin könnte ich ja auch kiffen und tue es nicht.

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