Claudia

Abgestempelt? Macht nichts.

von Claudia am

„Aha.“ Schweigen. „Nee, doch, find ich cool.“ Das ist die angenehme Reaktion, wenn ich Leuten erzähle, dass ich keinen Alkohol trinke. Die unangenehme Variante kommt meistens auf Partys, und mein Gegenüber ist selbst bereits angeheitert. „Warum hastn du kein Bier in der Hand?“ „Weil ich keinen Alkohol trinke.“ „Gar nicht?“ „Gar nicht.“ „Aber warum nicht?“ „Warum sollte ich?“ Spätestens nach dieser Frage guckt mein Gegenüber verständnislos.

Alles wird lustig und leicht, so ungefähr ist das Idealbild vom Alkohol. Aber warum braucht man Alkohol, um überhaupt eine gute Zeit zu haben? Kann man nicht einfach mit den richtigen Leuten feiern, mit guten Freunden Spaß haben, ganz ohne Bier, Wodka und Cocktails? Kann man seine Probleme, die man durch Alkohol zumindest für ein paar Stunden vergisst, nicht auch so lösen? Warum pfeifen sich so viele Leute bei Trinkspielen einen Shot nach dem anderen rein, um überhaupt mal aus sich rauszugehen? Warum geht ihr nicht in Clubs, in denen die Musik immer gut ist, egal wie viel ihr getrunken habt? Warum glaubt ihr, dass betrunken jemanden anzubaggern ein guter erster Schritt wäre und danach alles viel leichter? A propos: Jeder, der schon  mal halbwegs nüchtern mit seinem oder seiner angetrunkenen Angebeteten rumgeknutscht hat, weiß: Das fetzt nicht.

Wenn ich also in der Kurzversion erzähle, dass ich Alkohol einfach null interessant finde, zieht mein Party-Gegenüber irgendwann verächtlich die Augenbrauen hoch und verdrückt sich dann recht fix, unter irgendeinem Vorwand. Ich wurde wohl mal wieder als Spaßbremse abgestempelt. Mir egal. Von den Leuten, die mir wichtig sind, hat sich noch keiner beschwert.

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