Gustav

Und täglich grüßt das Feierabendbier?

von Gustav am| 3 Kommentare

Es ist immer dasselbe: Morgens vor der Arbeit gibt es Kaffee, abends nach der Arbeit Bier. Das Feierabendbier gehört für viele zum Feierabend dazu wie das Eselsohr zum Esel, und manche fühlen sich in diesem System gefangen als ihr eigener wehrloser Sklave. Wie überflüssig! Denn: Um Feierabend zu machen, braucht man kein Bier!

Blog-Leser Tobi hat unter meinen letzten Beitrag geschrieben, wer sich langsam ans Trinken herantastet, könne auch über das Ziel hinausschießen. Limits stehen eben nicht auf der Bierflasche drauf. Wenn ihr mich fragt, gelten Grenzen aber nicht nur in Bezug auf die Menge, sondern auch auf die Häufigkeit. Unser Körper ist leider so stumpf, sich vom regelmäßigen Trinkvergnügen hormontechnisch aus der Bahn werfen zu lassen und sich recht flott an den Alkohol zu gewöhnen. Was ist bei diesem Suchtpotenzial verhängnisvoller als das alltägliche Feierabendbier?

Zum Glück ist es bei mir gar nicht so schlimm. Ich mache mein Feierabendbier durch häufigen Verzicht besonders. Denn ich trinke mein Bier unregelmäßig, nicht zwingend an den Feierabend gefesselt und erst recht nicht in Form eines Rituals.

Wenn ich ein “Feierabendbier” trinke, ertränke ich nicht die Arbeitssorgen darin, sondern schaffe  einen Übergang zwischen Beruflich und Privat, zwischen Universität und Ersti-Party. Solange keine psychischen Probleme mit runtergespült werden, ist ein Feierabendbier meiner Einschätzung nach harmlos.

Die Gefahr besteht darin, dass relativ häufig Feierabend ist. Wer also jeden Feierabend begießen will, hat viel zu tun – und das kann dabei herauskommen: Erstens macht zu viel Alkohol dick (sagt mein Doktor), zweitens stört er das Denkvermögen (sagt meine Mutter), drittens wird man davon abhängig (stand in der Fernsehzeitschrift). Aber die Flapsigkeit mal beiseite genommen: Sie alle haben verdammt recht. Gerade das mit dem Denkvermögen ist ärgerlich, das mit dem Dickwerden könnte ich ja noch vertragen. Dass der Dauersuff in die Hirnleistung eingreift, sehe ich bei zu vielen viel zu häufig. In Punkto Feierabendbier höre ich also gern auf die Kritiker.

Zum Glück habe ich deshalb Cola im Kühlschrank und Freunde am Start. Mit beidem kann man Übergänge super gestalten und das Ausatmen nach getaner Arbeit zelebrieren. Schon eine Fahrt mit der Straßenbahn kann besser entspannen als Alkohol. “Brauch” kommt eben nicht von “Brauchen”. Das Feierabendbier ist also auch keine Lösung.

3 Kommentare zu: “Und täglich grüßt das Feierabendbier?”

  1. Avatar

    Niels

    Was für ein geiler Text!!! 😀 „Stand in der Fernsehzeitschrift“, wie kommt man auf sowas? 😀 Aber ich seh das genau so, weil ich mein, Biertrinken kann ich ja immer, aber das als Ritual zu betreiben…. naja, wer’s braucht, ne? Sagt meine MUDDA!

  2. Avatar

    Stano

    Ich denke, dass „Cola“ dann wohl auch nicht die richtige Wahl ist. Macht auch dick und hat einen Coffeingehalt, der nicht ganz unbedenklich ist. Zumal wir in meinen Augen sowieso eine Kaffeekampftrinkergesellschaft geworden sind. Sicherlich ein Beitrag, der das leider Alltägliche der deutschen Gesellschaft, die sich durch Konsumwahn selbst kaputt macht, widerspiegelt. Wie wäre es mit gemeinsamen Sport unter Freunden nach der Arbeit? Hat auf jedenfall gesundheitlich und auch stressmäßig eine positivere Wirkung.

  3. Gustav

    Gustav

    Sport wäre ein prima Ersatz für Cola – allerdings müsste ich dafür vom Sofa aufstehen. Trotzdem hast du natürlich recht: Sogar Apfelsaft macht dicker als Bier!

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