Kai

Bergfest, Bier und Blut

von Kai am

Letzte Woche war die Mitte meiner alkoholfreien Zeit erreicht. Obwohl ich mich bis jetzt jeden Tag fast ausnahmslos ans Nicht-Trinken gehalten hatte, brach ich damit letztes Wochenende.

Der Grund war kein unstillbares Verlangen, kein Gruppenzwang und nicht mal gewaltsames Einflößen. Nein, ich war schlichtweg geizig. Ich war auf einer Kostümfeier in einem angemieteten Lokal. Die bezaubernden Gastgeberinnen hatten den Gästen Freibier zur Verfügung gestellt, aber leider nur alkoholhaltiges vom Fass. Alkoholfreies Bier war gerade „aus“. Ich nahm also das fröhlich schäumende Bier entgegen, das mir der Barmann schon sehr lange genervt hinhielt.

Nach drei Bier war dann auch wieder entalkoholisertes Bier verfügbar. Ich gebe zu, ich hatte ein schlechtes Gewissen. Die Gelegenheit nutzte ich aber direkt, um ein bisschen herumzuexperimentieren. Nach langer Abstinenz hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass mich ein Schluck Bier umhaut wie eine Flasche Korn auf leeren Magen. Das war nicht der Fall. Deutlich spürte ich trotzdem, wie die enthemmende Wirkung vom Alkohol einsetzte und ich mich nicht mehr ganz so dämlich in meinem Hundekostüm vorkam. Trotzdem hatte ich keine Probleme, wieder auf alkoholfreie Getränke umzusteigen.

Vier Stunden später begann die Party, sich zu leeren. Meine Mitbewohner hatten weitergetrunken und hielten sich an Möbelstücken und Menschen, die sie für Möbelstücke hielten, fest. Ich war derweil mit einer liebenswürdigen Amerikanerin im Gespräch über die Außenpolitik ihres Landes. Sie sagte mir, dass sie für dieses Thema zu viel getrunken hätte und wollte über Hunde reden. Eine Viertelstunde danach brach Panik aus: „Bahnkommtwirmüssenlos, kommsumit?“ Mir war eh gerade wieder fad und es war drei Uhr morgens, also brachen wir etwas gehetzt auf.

Auf dem Weg zur Straßenbahn wurde dann mein Mitbewohner „vom Gehweg angegriffen“. Wie ein echter Gentleman beschützte er seine Begleitung vor dem Boden und zog sich dabei ein paar fiese Schrammen im Gesicht zu. Mein anderer Bewohner stellte fest, dass er jetzt „kein hübsches Äffchen mehr wäre“. Ich muss leider zugeben, dass ich, auch inzwischen wieder nüchtern, die ganze Sache etwas lustig fand. Trotzdem bin ich froh, dass ich im Zweifelsfall helfen hätte können, wäre es nötig gewesen.

 

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